Was ist eine Salzgrotte?
Salzgrotten, auch Salzkammern oder Salzzimmer genannt, sind Räume mit salzverkleideten Wänden. Sie sollen das Raumklima einer natürlichen Salzhöhle nachbilden. Der Aufenthalt dort heißt Halotherapie, abgeleitet vom griechischen Wort für Salz. Die Idee stammt aus Salzbergwerken und Heilstollen. In Deutschland gibt es mehr als 300 solcher Räume, mindestens einen in jedem Bundesland [1].

Wie läuft ein Besuch ab?
Man zieht die Schuhe aus, setzt oder legt sich auf einen Liegestuhl und bleibt meist etwa 45 Minuten [1] [2]. Üblich sind nach Angaben der Wikipedia 20 bis 22 °C und 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das Salzklima entsteht je nach Anbieter durch Sole-Vernebler, Gradierwerke oder Salzgeneratoren, die feine Salzpartikel in die Luft geben [1]. Was genau ein Anbieter einsetzt, steht auf dessen Website oder lässt sich erfragen.
Himalaya-Salz: woher es kommt
Viele Anbieter nutzen „Himalaya-Salz“. Das Salz stammt aus der pakistanischen Provinz Punjab, unter anderem aus dem Bergwerk Khewra, nicht aus dem Himalaya-Hochgebirge. Der Name ist ein Marketingbegriff. Der Bundesgerichtshof entschied 2016, dass die Bezeichnung irreführend ist, wenn nicht klargestellt wird, dass das Salz nicht aus dem Himalaya-Hochgebirge stammt [3].
Es besteht im Wesentlichen aus Natriumchlorid (rund 98 Prozent). Der Anteil weiterer Mineralstoffe ist mit Meersalz vergleichbar. Wissenschaftliche Belege für Entgiftung, Blutdrucksenkung oder Entsäuerung durch das Salz gibt es laut Wikipedia nicht [3].

Was ist über die Wirkung bekannt?
Entspannung: Stiftung Warentest bewertete 2014: Entspannung ja, medizinische Wirkung fraglich. Die positiven Effekte seien wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen [2].
Atemwege: Eine systematische Übersichtsarbeit zur Halotherapie bei COPD (Rashleigh, Smith und Roberts, 2014) fand unter 151 Artikeln nur eine randomisierte Studie, die ihre Kriterien erfüllte. Die Autoren wiesen auf methodische Probleme hin [4].
Heilversprechen: Die Verbraucherzentrale NRW schreibt, die wissenschaftlichen Belege seien sehr dünn, viele Studien hätten methodische Schwächen. Werbung mit Heilwirkungen gilt daher als irreführend. Das Oberlandesgericht Hamm untersagte einem Betreiber solche Werbung (Az. I-4 U 124/12) [5].
Fazit: Wer sich eine ruhige Auszeit gönnen möchte, ist in einer Salzgrotte gut aufgehoben. Eine Behandlung von Krankheiten ersetzt der Besuch nicht. Die Wirkung auf die Atemwege ist nicht belegt.
Vor dem ersten Besuch
Wer Atemwegserkrankungen, andere Vorerkrankungen oder eine Schwangerschaft hat, sollte vorher ärztlichen Rat einholen. Ein Lungenfacharzt weist außerdem darauf hin, dass in einem Raum mit mehreren Menschen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht, etwa in der Infektzeit [6]. Diese Checkliste hilft bei Rückfragen an den Anbieter. Haken setzen Sie nur für sich, nichts wird gespeichert.
0 von 8 geklärt
Salzgrotten in Ihrer Nähe finden
Quellen
- Salzgrotte, Wikipedia (abgerufen im Oktober 2026).
- Salzgrotten: Entspannung ja, medizinische Wirkung fraglich, Stiftung Warentest (test 12/2014): Sitzung meist 45 Minuten, Preise 2014 zwischen 7 und 15 Euro.
- Himalayasalz, Wikipedia (abgerufen im Oktober 2026), dort mit Verweis auf das BGH-Urteil von 2016.
- Rashleigh R, Smith SMS, Roberts NJ: A review of halotherapy for chronic obstructive pulmonary disease. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2014; 9: 239-246.
- Gesundheitswerbung für Salzgrotten: Heilende Wirkung ist nicht belegt, Verbraucherzentrale NRW.
- Artikel zur Eröffnung einer Salzgrotte im Pinzgau, Salzburg24, mit Einschätzung des Lungenfacharztes Johannes Gattermeyer.